Pyrrolizidinalkaloide

Pyrrolizidinalkaloide

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind natürliche Bestandteile vieler Pflanzen, die zum Teil auch arzneilich verwendet werden. Vor einigen Jahren wurden in Tees und Kräutertees hohe Gehalte an 1,2-ungesättigten PA nachgewiesen. Die Arzneipflanzen in den Teemischungen produzieren eigentlich keine PA. Somit sind die nachgewiesenen Verunreinigungen durch Beikräuter (mitgeerntete Unkräuter) entstanden. Die Eigenschaften und Wirkungen der PA stehen in den letzten Jahren im Fokus vieler wissenschaftlicher Untersuchungen. Thematisiert wird dabei, ob und in welchem Ausmaß leberschädigende, erbgutverändernde, embryoschädigende und krebsfördernde bzw. –auslösende Wirkungen entstehen. Vor dem Hintergrund, dass eine vollständige Vermeidung von PA-Kontaminationen nach dem gegenwärtigen Stand der Technik nicht möglich ist und deshalb Präventivmaßnahmen von essenzieller Bedeutung sind, wurde gemeinsam von verarbeitender Industrie und Anbauern ein Code of Practice erarbeitet.

Dieser beschreibt mögliche Risiken einer PA-Kontamination und entsprechende Einflussmöglichkeiten entlang der gesamten Prozesskette. Dabei werden sämtliche Prozessbeteiligten aus den Bereichen Anbau, Nacherntebehandlung, Drogenverarbeitung sowie Herstellung von Extrakten bzw. Fertigarzneimitteln einbezogen. Das Auftreten von PA-Kontaminationen in pflanzlichen Materialien, auch solchen, die für die Herstellung pflanzlicher Arzneimittel verwendet werden, hat den Anstoß zu einem Forschungsprojekt „Investigation of the hepato-cytotoxic and genotoxic potency of selected pyrrolizidine alkaloids, relevant in medicinal plants and preparations thereof“ der Kooperation Phytopharmaka gemeinsam mit dem Fachbereich Chemie – Lebensmittelchemie & Toxikologie (AG Prof. Dr. Dr. Dieter Schrenk) der Technischen Universität Kaiserslautern gegeben. Im Rahmen des Projektes wird daran gearbeitet, die relative toxische Potenz relevanter PA hinsichtlich ihrer Leberzelltoxizität und Gentoxizität durch Einsatz von in vitro-Modellen (Zell-Kulturen) zu untersuchen und Modellvorstellungen zur Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen zu entwickeln. Eine Risikobewertung auf solider, wissenschaftlicher Grundlage ist v.a. auch deshalb dringend erforderlich, weil einige PA als gentoxische Karzinogene eingestuft wurden.

Weitere Informationen

Steinhoff B. Pyrrolizidinalkaloid-Kontaminationen in Arzneipflanzen. Umsetzung regulatorischer Anforderungen bei der Produktion pflanzlicher Arzneimittel
Zeitschrift für Phytotherapie 2020; 41: 1–9.
Schrenk, D., Gao, L., Lin, G., Mahony, C., Mulder, P. P. J., Peijnenburg, A., Pfuhler, S., Rietjens, I. M.C. M., Rutz, L., Steinhoff, B., These, A. Pyrrolizidine alkaloids in food and phytomedicine: Occurence, exposure, toxicity, mechanisms, and risk assessment – A review. Food Chem Toxicol 2020; 136: 111107.