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Kooperation Phytopharmaka Newsletter vom 20.10.18
vom 20.10.18

Die Kooperation Phytopharmaka in Bonn hatte am 17.10.2018 zu ihrem diesjährigen Symposium mit dem Titel „Vom Target zur Therapie“ im Radisson Blue Hotel in Köln eingeladen.
Der Kooperation Phytopharmaka engagiert sich für den Erhalt und die Förderung der Phytotherapie. Das bedarf intensiver Forschung und Fachkompetenz. In diesem Sinne galt die Veranstaltung als Forum für einen wissenschaftlichen Austausch zu interessanten Themen.
In vier Vorträgen wurden neue Aspekte zu Targets und Wirkmechanismen beleuchtet, Cornelia Schwöppe, die Leiterin der Geschäftsstelle moderierte die gut besuchte Veranstaltung
Der erste Vortrag befasste sich unter dem Titel „Wie wirken Phytopharmaka?“ mit Targets und Wirkmechanismen. Prof. Dr. Michael Wink vom Pharmazeutischen Institut der Universität Heidelberg referierte über dieses Thema, das immer wieder für Diskussion sorgt. Arzneipflanzen enthalten unter anderem Polyphenole und Terpene, die eine Breitbandwirkung auf verschiedene Rezeptoren, Enzyme und Körpergewebe haben. Wenn man nur einzelne Wirkstoffe isoliert, kann deshalb deren Wirkung in vielen Fällen nur noch gering sein. In anderen Fällen gelingt die Isolierung von Wirkstoffen aus einer Arzneipflanze überhaupt nicht. Vielkomponentengemische mit sehr verschiedenen Angriffspunkten können additive und synergistische Wirkungen haben, was sie gegenüber chemisch-synthetischen Arzneimitteln auszeichnet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bioverfügbarkeit der einzelnen Inhaltsstoffe, wobei insbesondere die sekundären von großer Bedeutung sind. Experten gehen davon aus, dass auch diese Stoffe an der Wirksamkeit beteiligt sind.
Phytotherapie bei Polyneuropathie
Zu diesem Thema trug Herr Dr. Rainer Görne, Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, in Neustadt an der Weinstraße, seine praktischen Erfahrungen vor. Dabei wurde deutlich, dass wirksame Therapien kaum zur Verfügung stehen. Ausgehend von den pathophysiologischen Grundlagen der Polyneuropathie stellte er eine eigene Studie an Patienten diabetischer Polyneuropathie vor. Er zeigte, dass das von ihm entwickelte Mehrkomponentenkosmetikum aus Nachtkerzenöl, Bergamottöl sowie aus Extrakten aus Borretsch und Blättern der schwarzen Johannisbeere positive Wirkungen auf die polyneuropathischen Beschwerden hatte.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Pharmakotherapie
Frau Prof. Dr. Karen Nieber, Gommern, stellte die Frage, ob geschlechtsspezifische Unterschiede auch für Phytopharmaka gelten. Genetische Polymorphismen wie beispielsweise arzneimittelmetabolisierende Enzyme, Umwelteinflüsse wie Nahrung und Genussmittel, aber auch biologische Faktoren wie Alter und Geschlecht spielen dabei eine große Rolle. Sie erklärte pharmakokinetische und pharmakodynamische Unterschiede bei der Wirkung verschiedener chemisch definierter Arzneimittel. Trotz großer Unterschiede gibt es keine spezifischen Dosierungsempfehlungen. Nach ihrem Kenntnisstand liegen nur sehr wenige Untersuchungen zu geschlechtsspezifischen Wirkunterschieden von Phytopharmaka sowohl im experimentellen wie im klinischen Bereich vor. Ihr Fazit war, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Therapie mit Phytopharmaka im Vergleich zu chemisch-synthetischen Arzneimitteln eher eine untergeordnete Rolle haben.
Entzündliche Leiden in der hausärztlichen Praxis phytotherapeutisch lindern
Herr Prof. Dr. Detmar Jobst, Bonn, zeigte in seinem Vortrag Möglichkeiten zur Linderung von kleinen entzündlichen Leiden auf. Dazu gehören beispielsweise Schleimhautentzündungen (Gingivitis, Aphten), aber auch Lippenherpes. Bewährt haben sich Spülungen mit Kamille und Salbei. Bei Lippenherpes wird häufig das ätherische Öl der Zitronenmelisse erfolgreich eingesetzt, ebenso Schwarztee und Johanniskrautrotöl bei Entzündungen der Mamille nach dem Stillen. Bei geringen oder chronischen Beschwerden sollten diese ergänzend durch Maßnahmen der physikalischen Therapie behandelt werden.
Fazit
Das Symposium machte deutlich, dass die Behandlung mit pflanzlichen Arzneimitteln sehr komplex ist deshalb entsprechenden Sachverstand erfordert. Durch wissenschaftlich fundierte Studien und experimentelle Untersuchungen zu Wirkmechanismen einzelner Inhaltsstoffe kann der Stellenwert der Phytopharmaka im Rahmen von Therapiekonzepten erhöht werden. Dies schafft die Voraussetzungen dafür, dass Phytotherapeutika in die medizinischen Leitlinien aufgenommen werden.

weitere Informationen: http://www.koop-phyto.org
Die Vorträge finden Sie auf der Webseite der Kooperation Phytopharmaka.

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