Kooperation Phytopharmaka

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AWMF-Leitlinien zur Phytotherapie

Die Implementierung von Phytopharmaka in medizinische Leitlinien ist ein Arbeitsschwerpunkt von Herrn Professor Dr. J. Langhorst (Leitlinienbeauftragter der Gesellschaft für Phytotherapie e.V.) und seiner Arbeitsgruppe an der Klinik für Naturheilkunde und Integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte. Den aktuellen Stand der Leitlinien finden Sie in nachfolgenden Tabellen, die Frau Prof. Karin Kraft freundlicherweise als Vorsitzende unserer AG Wissenschaft zusammen gestellt hat.

Bitte beachten Sie, dass die Tabellen lediglich eine Momentaufnahme darstellen, da die Leitlinien regelmäßig aktualisiert werden. Die Darstellung des Stellenwertes der Phytotherapie wird ständig dem aktuellen Datenbestand angepasst. Dafür setzt sich die Arbeitsgruppe in Essen intensiv ein.

Phytotherapie in den medizinischen S3-Leitlinien der AWMF – eine systematische Übersichtsarbeit
https://www.karger.com/Article/Pdf/370079

Berücksichtigung von Wechsel- und Nebenwirkungen bei pflanzlichen Arzneimitteln in den S3-Leitlinien
https://www.karger.com/Article/Abstract/446573

 

Empfehlung von Phytotherapie in aktuellen medizinischen Leitlinien

Indikationen:

Nicht-spezifische Kreuzschmerzen

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Weidenrindenextrakt/ kann in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen zur Behandlung chronischer nicht-spezifischer Kreuz­schmerzen angewendet werden.

Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder NSAR; peptische Ulzera, Asthma, Glukose-6-Phosphat­dehydrogenasemangel, Schwangerschaft.

Allergische Reaktionen, gastrointestinale Symptome/ möglicherweise Wirkungs­verstärkung von Antikoagulanzien (z. B. Coumarin-Derivate)

Pflaster und Cremes mit Extrakt aus spanischem Pfeffer (Capsicum annuum)/ können im Rahmen des Selbstmanagements in Kombination mit aktivierenden Maßnahmen zur Behandlung nicht-spezifischer Kreuz­schmerzen angewendet werden.

Hautverletzungen, Ekzeme, Ulzerationen, Über­empfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoffen

Überempfindlichkeit, Hautrötung und Schwellungen, in seltenen Fällen (0,01-0,1%) Über­empfindlichkeits­reaktionen (urtikarielles Exanthem)/ keine Angaben

Nationale Versorgungs-Leitlinie: Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
2. Auflage, 2017 Version 1
AWMF-Register-Nr. nvl-007

 

Knieschmerzen bei Arthrosezeichen

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Ingwerpulver, Teufelskrallen­extrakt/ können bei Gonarthrose eingesetzt werden.

Keine Angaben

Weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen als nichtsteroidale Antirheumatika/ keine Angaben

S1-Leitlinie: Knieschmerzen bei Arthrosezeichen
Version von 2017
AWMF-Register Nr. 170/113

 

Husten

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Mischdestillat aus Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl (Verhältnis 66:32:1:1)/ kann bei akuter Bronchitis eingesetzt werden

Keine Angaben

Milde bis moderate Symptome im Bereich des Gastro­intestinaltraktes/ keine Angaben

Extrakte aus Thymiankraut + Efeublättern; Extrakte aus Thymiankraut + Primelwurzeln/ können bei akuter Bronchitis eingesetzt werden

Keine Angaben

Keine Angaben/keine Angaben

Zubereitungen aus dem Kraut von Echinacea purpurea /können bei Erkältungs­krankheiten eingesetzt werden

Progrediente System­erkrankungen (Tuberkulose, Leukämie, multiple Sklerose, Kollagenosen u. a. Autoimmun­erkrankungen; AIDS, HIV-Infektion)

Sehr geringes Risiko von Allergien bei oraler Applikation/keine Angaben

S3-Leitlinie: DEGAM-Leitlinie Nr. 11 Husten
Version von 2014
AWMF-Register Nr. 053/013

 

Akute Nasennebenhöhlenentzündung (Rhinosinusitis)

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Eucalyptusblätterextrakt; Kombination von Eisenkraut, Enzianwurzel, Holunderblüten, Sauerampferkraut und Schlüsselblumenblüten in gepulverter Form oder als Extrakt / kann zur Therapie der akuten Rhinosinusitis eingesetzt werden

Keine Angaben

Keine Angaben/keine Angaben

S2k-Leitlinie: Rhinosinusitis
Version 8/2016 (Entwurf)
AWMF-Register Nr. 017/049 (HNO) und 053-012 (DEGAM)

 

Unkomplizierte Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Bärentraubenblätterextrakt; Kapuzinerkressekraut- + Meerrettichwurzel/ können bei häufig rezidivierender Zystitis der Frau eingesetzt werden.

Bärentraubenblätter maximal 1 Monat anwenden.

Kapuzinerkressekraut- + Meerrettichwurzel/ gegenüber Placebo keine erhöhte Nebenwirkungsrate./keine Angaben

S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten
Update 2016 (Entwurf)
AWMF-Register-Nr. 043/044

 

Mammakarzinom

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Traubensilberkerzenextrakt/ Zur Verminderung von Hitze­wallungen unter einer antihormonellen Therapie kann empfohlen werden.

Nicht bekannt

Nicht bekannt/keine Angaben

S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms
Version 3.0, 2012
AWMF-Register Nr. 032/045 OL

 

Colitis ulcerosa

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Flohsamen(schalen)pulver/ kann in der remissionserhaltenden Behandlung eingesetzt werden

Keine Angaben

Keine Angaben/keine Angaben

S3-Leitlinie: Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa
Version von 2011
AWMF-Register Nr. 021-009

 

Benignes Prostatasyndrom

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Sabalfrüchte-, Brennnessel­blätter-, Kürbissamen­extrakte/ können bei Patienten mit geringen bis moderaten Beschwerden und Leidensdruck in Betracht kommen, wenn chemisch definierte Präparate abgelehnt werden.

BPS jenseits von milden Beschwerden mit geringem Leidensdruck ohne Obstruktion und fehlenden Progressions­faktoren

Selten, mild und in den meisten Studien vergleichbar mit denen bei Placebo/ nicht bekannt

S2e Leitlinie: Therapie des benignen Prostata­syndroms (BPS)
Version von 2014
AWMF-Register Nr. 043-035

 

Leichte bis mittelgradige Depression

Arzneipflanzen­zubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Johanniskrautextrakte/ wird bei leichten oder mittelgradigen depressiven Episoden eine Pharmako­therapie erwogen, kann bei Beachtung der spezifischen Neben­wirkungen und Interaktionen ein erster Therapie­versuch auch mit Johanniskraut­extrakt unternommen werden. Es sollten nur die Präparate eingesetzt werden, für die eine klinische Wirksamkeit durch eigene randomisierte klinische Studien belegt ist.

Schwere depressive Episoden, bekannte Lichtüber­empfindlichkeit; besondere Vorsicht bei Multimedikation und Komedikation mit geringer therapeutischer Breite.

Allergische Hautreaktionen, gastrointestinale Beschwerden, Müdigkeit, Unruhe. Photo­toxizität: vereinzelte Berichte. / kann als Induktor von Isoenzymen des Cytochroms P450 zur Wirkungs­beeinträchtigung und ggf. bei Absetzen zur erhöhten Toxizität zahlreicher Wirkstoffe mit geringer therapeu­tischer Breite, wie z. B. Ciclosporin, Tacrolimus, Digoxin, Theophyllin, Antidepressiva (Amitriptylin, Nortriptylin), Antikoagulantien, Antikonvulsiva, HIV-wirksamen Medikamenten, führen. Wirkungs­verminderung von oralen Antikoagulantien (Phenprocoumon), Antidepressiva (Amitriptylin, Paroxetin, Sertralin), Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital), Alprazolam, oralen Kontrazeptiva, Ciclosporin, Digoxin, Theophyllin, Proteaseinhibitoren (z. B. Indinavir), Methadon, evtl. auch Efavirenz, Nevirapin; serotonerges Syndrom bei Kombination mit SSRI, Triptanen möglich

Nationale Versorgungs-Leitlinie: Unipolare Depression
2. Auflage, Version 4, 2015
AWMF-Register-Nr. nvl-005

 

Demenz

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Ginkgo biloba Extrakt/ bei Patienten mit leichter bis mittelgradiger Alzheimer-Demenz oder vaskulärer Demenz und nicht-psychotischen Verhaltenssymptomen kann eine Behandlung erwogen werden.

Keine Angaben

Gegenüber Placebo keine erhöhte Nebenwirkungsrate/ Hinweise für eine erhöhte Blutungsneigung, z.B. in Kombination mit einem von-Willebrand-Jürgens-Syndrom oder bei gleichzeitiger Einnahme von Acetylsalicylsäure

S3-Leitlinie: Demenzen
Version von 2016
AWMF-Register-Nr. 038-013

 

Chronischer Juckreiz

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/
Interaktionen

Extrakte aus Spanischem Pfeffer (Capsicum annuum)/ Therapie des lokalisierten chronischen Juckreizes kann erwogen werden.

Keine Angaben

In den ersten 3 bis 5 Tagen Brenn- und Wärmegefühl/ keine Angaben

S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus
Version von 2016
AWMF-Register Nr. 013/048

 

Empfehlung von Phytotherapie in abgelaufenen Leitlinien

Akute Bronchitis, akuter und chronischer Husten

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/ Interaktionen

Extrakte aus Thymiankraut + Efeublättern; Extrakte aus Thymiankraut + Primelwurzeln / sollen bei akuter Bronchitis eingesetzt werden

Keine Angaben

Allergien, Hautreaktionen, Magen-Darm-Beschwer-den, Alkoholgehalt des Fertigproduktes/keine Angaben

Spitzwegerichextrakt, Isländisch Moos-Extrakt, Eibischblätterextrakt/ kann bei Reizhusten eingesetzt werden

Keine Angaben

Allergien, Magen-Darm-Beschwerden, Alkoholgehalt des Fertigproduktes/keine Angaben

S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten
Version von 2010
AWMF-Register-Nr. 020/003

 

Reizdarmsyndrom

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/ Interaktionen

Lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen(schalen)zubereitungen/ können bei Erwachsenen mit Reizdarm­syndrom mit überwiegend obstipativen Beschwerden, vom Diarrhö-Typ oder vom Schmerz-Typ eingesetzt werden.

Kombination aus Extrakten von Iberis Amara, Angelika­wurzel, Kamillen­blüten, Kümmel­früchten, Mariendistel­früchten, Melissenblättern, Pfefferminz­blättern, Schöllkraut, Süßholzwurzel/ kann bei Erwachsenen mit Reiz-darmsyndrom mit Obstipation, Schmerzen, Stuhl­unregelmäßigkeiten, Blähungen, abdomineller Distension, Meteorismus und/oder Flatulenz eingesetzt werden.

Verkapseltes Pfefferminzöl/ kann bei Reizdarmsyndrom mit krampfartigen Beschwerden bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden.

Keine Angaben

Keine Angaben/keine Angaben

S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie.
Version von 2011
AWMF-Register-Nr: 021/016

 

Obstipation

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/ Interaktionen

Pulver von Flohsamen(-schalen) oder Leinsamen; Extrakte aus Senna oder Aloe/ können zur Behandlung der „Slow-transit“-Obstipation verwendet werden.

Keine Angaben

Keine Angaben/ keine Angaben

S3-Leitlinie: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie intestinaler Motilitätsstörungen
Version 2010
AWMF-Register Nr. 021/018

 

Halsschmerzen

Arzneipflanzenzubereitung/ Empfehlung Kontraindikationen Nebenwirkungen/ Interaktionen

Salbeiblätterextrakt, Pelorgoniumwurzelextrakt / können bei ausgeprägtem Therapiewunsch oder unzureichender Wirksamkeit besser belegter symptomatischer Maßnahmen mit Einschränkung empfohlen werden.

Alkohoholhaltige Zubereitungen bei Kindern unter einem Jahr und bei Alkoholkranken

Keine Angaben/keine Angaben

S3-Leitlinie: Halsschmerzen
Version 2009
AWMF-Register-Nr. 053/010


Empfehlungsgrade:

A: „Soll“-Empfehlung (Vorliegen zumindest einer randomisierten kontrollierten Studie von insgesamt guter Qualität und Konsistenz, die sich direkt auf die jeweilige Empfehlung bezieht und nicht extrapoliert wurde (Evidenzebenen Ia und Ib).)

B: "Sollte"-Empfehlung (Vorliegen von gut durchgeführten klinischen Studien, aber keine randomisierten klinischen Studien, mit direktem Bezug zur Empfehlung (Evidenzebenen II oder III) oder Extrapolation von Evidenzebene I, falls der Bezug zur spezifischen Fragestellung fehlt.)

0: „Kann“-Empfehlung (Berichte von Expertenkreisen oder Expertenmeinung und/oder klinische Erfahrung anerkannter Autoritäten (Evidenzkategorie IV) oder Extrapolation von Evidenzebene IIa, IIb oder III. Direkt anwendbare klinische Studien von guter Qualität waren nicht vorhanden oder nicht verfügbar.)

Hinweis:

Die Informationen in den Tabellen wurden den jeweiligen Leitlinien entnommen und teilweise systematisiert, gekürzt oder ergänzt, ohne aber den jeweiligen Grad der Empfehlung zu verändern.

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