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Weißdorn

Weißdorn
©Sertürner Bildarchiv

Botanische Bezeichnung

Eingriffeliger Weißdorn – Crataegus monogyna Jacq.
Zweigriffeliger Weißdorn - Crataegus laevigata (Poir.) DC. (Syn. C. oxyacantha L.)

Familie

Rosengewächse (Rosaceae)

Wissenswertes zur Pflanze

Die Gattung Crataegus ist eine große Gattung, deren systematische Gliederung sehr schwierig ist, da die Arten sehr leicht bastardisieren. Es werden, je nach Einteilung, 150 bis 2000 Arten beschrieben, wobei nur 100 bis 200 als echte Arten zu bezeichnen sind. Der Eingriffelige Weißdorn ist in Süd- und Nordeuropa heimisch, in Russland, Sibirien, im Himalaya, in Nordafrika, Chile und China; der Zweigriffelige Weißdorn kommt in ganz Europa vor, in Amerika wird er kultiviert. Beide Weißdornarten wachsen als Sträucher in Laubwäldern, Gebüschen, Hecken, an Zäunen und in Gärten und Parkanlagen.
„Weißdorn“ nimmt Bezug auf die weißen Blüten und die bedornten Zweige dieser großen Sträucher. Sie stehen im Mai bis Juni - der Zweigriffelige zwei Wochen vor dem Eingriffeligen Weißdorn - in voller Blüte und prägen dann mit ihrem weißen Blütenkleid unser Landschaftsbild. Die beiden Arten unterscheiden sich, wie im deutschen Artepitheton zum Ausdruck kommt, durch die Anzahl der Griffel in der Blüte. Allerdings ist dieses Unterscheidungsmerkmal nicht ganz zuverlässig, denn in der Blüte des Eingriffeligen Weißdorns (monogyna = einweibig, von griech. ‚gyne’ = Weib) können durchaus auch mal zwei Griffel vorkommen, beim Zweigriffeligen Weißdorn auch mal 3 Griffel, selten auch nur ein Griffel. Besser kann man sie an der Blattform unterscheiden. Die Blätter des Eingriffeligen Weißdorns sind tiefer eingeschnitten als die des Zweigriffeligen Weißdorns, dessen Blätter rautenförmig und gesägt sind. Die kleinen weißen Blüten stehen bei beiden Arten in Trauben und reifen nach der Befruchtung zu kleinen, leuchtend roten Steinfrüchten heran, die die Sträucher im Herbst sehr dekorativ aussehen lassen.

Arzneilich verwendete Pflanzenteile (Droge)

Verwendet werden die getrockneten, Blüten tragenden Zweige und die getrockneten Früchte. Die Droge des Handels stammt aus verschiedenen ost- und südeuropäischen Ländern.

Inhaltsstoffe der Droge

Weißdornblätter mit Blüten enthalten Flavonoide, oligomere Procyanidine, Caffeoylchinasäuren.
Weißdornfrüchte enthalten oligomere Procyanidine, Flavonoide

Qualitätsbeschreibungen

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:

  • Weißdornblätter mit Blüten (Crataegi folium cum flore)
  • Weißdornblätter-mit-Blüten-Trockenextrakt (Crataegi folii cum flore extractum siccum)
  • Quantifizierter Weißdornblätter-mit-Blüten-Fluidextrakt (Crataegi folii cum flore extractum fluidum quantificatum)
  • Weißdornfrüchte (Crataegi fructus)

Laut Arzneibuch dürfen die Weißdornblätter mit Blüten und die Weißdornfrüchte auch von Bastarden des Eingriffeligen und Zweigriffeligen Weißdorns gewonnen werden. Auch der Fünfgriffelige Weißdorn (C. pentagyna Waldst. et Kit.), der Schwarzfrüchtige Weißdorn (C. nigra Waldst. et Kit.) und der Azaroldorn oder die Mispel (C. azarolus L.) sind laut Arzneibuch als Stammpflanze der Drogen zugelassen.

Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen sind im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) festgelegt:
  • Weißdornblüten (Crataegi flos)
  • Weißdorntinktur aus Blättern und Blüten (Crataegi tinctura e foliis cum floribus)

Medizinische Anwendung

Anerkannte medizinische Anwendung

Weißdornblätter mit Blüten
Nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzens (Herzinsuffizienz) entsprechend Stadium II nach NYHA (New York Heart Association) (Kommission E, ESCOP). Die Wirksamkeit ist durch klinische Studien belegt (Zulassung). ESCOP erkennt dieses Anwendungsgebiet allerdings nur für Fertigarzneimittel mit alkoholischen Extrakten als Wirkstoff an; für Teezubereitungen lautet das Anwendungsgebiet „nervöse Herzbeschwerden und Unterstützung der Herz- und Kreislauffunktion“.

Weißdornfrüchte
Nervöse Herzbeschwerden und Unterstützung der Herz- und Kreislauffunktion (ESCOP); Kommission E: Negativmonographie.

Traditionelle Anwendung

Weißdornblätter mit Blüten: Keine Listung als traditionelles Arzneimittel (§ 109a)
Weißdornfrüchte: Traditionell angewendet zur Unterstützung der Herz-Kreislauffunktion (traditionelle Anwendung nach § 109a).

Arzneiliche Drogenzubereitungen in Fertigarzneimitteln

Weißdornblätter mit Blüten

Weißdornfrüchte
  • pulverisierte Früchte in Tabletten
  • Trockenextrakt in Dragees und Kapseln
  • alkoholischer Auszug in Tropfen

Dosierung

Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3 bis 4 mal täglich über mehrere Wochen eine Tasse Weißdorntee (Weißdornblätter mit Blüten) trinken. Mittlere Tagesdosis 3,0 bis 6,0 g Droge.

Bereitung eines Teeaufgusses

1,0 bis 1,5 g fein geschnittene Weißdornblätter mit Blüten mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 15 Min. abseihen. Weißdornfrüchte sind für die Bereitung eines Teeausgusses nicht geeignet.

Hinweise

Für die Anwendung von Weißdornblätter mit Blüten und Weißdornfrüchten während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor. Deshalb ist eine Einnahme nur nach strenger Indikationsstellung durch den Arzt empfohlen.

Nebenwirkungen

Selten Magen-Darm-Beschwerden, Schwächegefühl oder Hautausschlag

Wechselwirkungen

Keine bekannt

Literaturhinweise

Drogenmonographien

Kommission E, ESCOP, WHO Vol. 2

Weiterführende Literatur

Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 195, S. 200
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 283
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 115
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch
(Weißdornblätter mit Blüten, Nr. 1432;
Weißdornblätter-mit-Blüten-Trockenextrakt, Nr. 1865;
Weißdornblätter-mit-Blüten-Fluidextrakt, Nr. 1864;
Weißdornfrüchte, Nr. 1220)

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