
Afrikanische Teufelskralle – Harpagophytum procumbens (Burch.) DC.
Sesamgewächse (Pedaliaceae)

Die Teufelskralle wächst in den Sandfeldern der Savannen im südlichen Afrika (Namibia, Südafrika, Botswana). Der Gattungsname Harpagophytum, abgeleitet von griech. ‚harpagos’ (= Enterhaken), und der deutsche Name „Teufelskralle“ beziehen sich auf die Früchte der Pflanze. Es sind eiförmige Samenkapseln mit mehreren armartigen Auswüchsen, die sich nach dem Aufspringen der Kapseln krallenförmig auseinander spreizen und stark verholzen. Mit ihren spitzen Widerhaken bohren sie sich in die Hufen der Tiere und verursachen Infektionen, die zum Tode führen können. Sehr dekorativ sind die bis zu 6 cm langen rotvioletten, gloxinienartigen Blüten in den Blattachseln. Die krautige Pflanze liegt mit ihren langen Sprossen am Boden. Die Blätter sind gestielt und tief gelappt; sie sind meist gegenständig, an den Sprossenden oft auch wechselständig.
Verwendet werden die knolligen, von den Seitenwurzeln abgehenden (sekundären) Speicherwurzeln. Sie werden ausgegraben, gewaschen und noch frisch in 0,5 bis 1,5 cm dicke Scheiben geschnitten und diese dann getrocknet. Dabei werden sie sehr hart, weswegen sie in frischem Zustand zerkleinert werden müssen. Die Wurzeln können auch von einer anderen Harpagophytum-Art gewonnen werden, nämlich von H. zeyheri Decne. Die Droge wird aus dem südwestlichen Afrika importiert und stammt aus Wildsammlungen, zunehmend auch aus Kulturen.
Teufelskrallenwurzel enthält Iridoidglykoside, Phenolglykoside und Saccharide.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Appetitlosigkeit, dyspeptische Beschwerden (Kommission E, ESCOP); unterstützende Therapie degenerativer Erkrankungen des Bewegungsapparates (Kommission E); zur Schmerzbehandlung bei Osteoarthritis und bei Rückenschmerzen (ESCOP).
Das HMPC hat Teufelskrallenwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „traditionelle Anwendung“).
Teufelskrallenwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung kann Teufelskrallenwurzel bei leichten Gliederschmerzen und zur Besserung von Verdauungsstörungen (z.B. Blähungen) und bei Appetitlosigkeit eingesetzt werden.
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3 mal täglich eine Tasse Teufelskrallenwurzeltee trinken. Bei Gliederschmerzen beträgt die Tagesdosis 4,5 g Droge, bei Verdauungsbeschwerden 1,5 g Droge, jeweils in drei Einzeldosen zu nehmen. Zur Appetitanregung soll der Aufguss jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten getrunken werden.
4,5 g bzw. 1,5 g fein geschnittene Teufelskrallenwurzel werden mit 300 mL kochendem Wasser übergossen und 8 Stunden bei Raumtemperatur stehen gelassen; dann abseihen und in drei Portionen trinken.
Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren darf Teufelskralle nicht eingenommen werden, bei Gallenleiden nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da bisher noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.
Selten treten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwindel und Kopfschmerzen auf; sehr selten wurden Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautauschlag, Nesselsucht bis hin zum anaphylaktischen Schock beobachtet.
Keine bekannt.
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 3)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 324
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 263
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 165
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Teufelskrallenwurzel, Nr. 1095; Teufelskrallenwurzeltrockenextrakt, Nr. 1871)