
Süßholz – Glycyrrhiza glabra L.
Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae)
Mit verschiedenen Varietäten besiedelt das Süßholz ein großes Gebiet vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China. Angebaut wird die Pflanze in den warmgemäßigten bis subtropischen Ländern aller Kontinente. Die langlebige, bis über 1 m hohe Staude ist mit einer langen, dicken Pfahlwurzel und dicken Nebenwurzeln im Boden verankert. Aus einem stark verholzten Rhizom (unterirdischer Spross) treiben jedes Jahr kräftige Stängel mit unpaarig gefiederten Blättern (je 3 bis 7 Paare). Die einzelnen Fiedern sind eiförmig bis breitelliptisch und unterseits drüsig behaart, ansonsten kahl (lat. ‚glaber, glabra’ = kahl). Viele kleine blasslila gefärbte Schmetterlingsblüten stehen dicht in 10 bis 15 cm langen Trauben in den Blattachseln. Die Früchte sind 1,5 bis 2,5 cm lange Hülsen mit nierenförmigen Samen.
Sowohl der Gattungsnamen Glycyrrhiza, von griech. ‚glykys’ = süß und ‚rhiza’ = Wurzel, als auch der deutsche Namen „Süßholz“ nimmt Bezug auf die stark süß schmeckende Wurzel, verursacht durch das in der Wurzel enthaltene Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das ungefähr die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt. Aus den Wurzeln wird ein „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) gewonnen, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Dazu werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird dann ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so typische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% in Lakritzwaren eingearbeitet. Diese werden aus Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen hergestellt. Vom Bundesverband der Süßwarenindustrie wurde ein Höchstgehalt von 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g Lakritzware festgelegt. Produkte mit einem höheren Gehalt müssen als „Starklakritz“ gekennzeichnet sein unter Angabe einer Höchstverzehrmenge (siehe Nebenwirkungen). Die erste Lakritze in der so typischen Schneckenform soll 1925 von einem deutschen Förderband gelaufen sein.
Verwendet werden die getrockneten, geschälten oder ungeschälten Wurzeln mit ihren Ausläufern. Die Droge des Handels stammt aus Kulturen in China, Russland und der Türkei, auch aus Italien, Bulgarien und Spanien.
Süßholzwurzel enthält Triterpensaponine (hauptsächlich Glycyrrhizin), Flavonoide, Isoflavone und Polysaccharide.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Bei Katarrhen der oberen Luftwege und bei Ulcus ventriculi/ duodeni (Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür) (Kommission E); als unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung; als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh (ESCOP).
Süßholzwurzel wird traditionell angewendet als mild wirkendes Arzneimittel bei Sodbrennen und säurebedingten Magenschmerzen sowie in Kombination mit anderen Drogen zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3 bis 4 mal täglich 1 Tasse Süßholzwurzeltee trinken; Tagesdosis: 5 bis 15 g Droge entsprechend 200 bis 600 mg Glycyrrhizin.
1 bis 1,5 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Süßholzwurzel mit 150 mL kaltem Wasser versetzen, den Ansatz aufkochen, dann vom Herd nehmen und nach 10 bis 15 Min. abseihen. Der Aufguss kann auch mit siedendem Wasser angesetzt werden.
Bei durch Gallenstau bedingten Lebererkrankungen, Leberzirrhose, Bluthochdruck, Kaliummangel, schwerer Niereninsuffizienz darf Süßholzwurzel, auch in Form von Lakritz, nicht eingenommen werden.
Auch während der Schwangerschaft ist Süßholzwurzel und Lakritz zu meiden.
Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung können mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie auftreten (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).
Durch andere Arzneimittel (z.B. durch Thiazid- und Schleifendiuretika) verursachte Kaliumverluste können verstärkt werden; bei vermindertem Kaliumspiegel ist die Empfindlichkeit gegenüber Herzglykosiden (Digitalisglykosiden) erhöht.
Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 1)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 397
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 251
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 160
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Süßholzwurzel, Nr. 0277; Süßholzwurzelfluidextrakt, 1536; Süßholzwurzelextrakt als Geschmackskorrigenz, 2378)
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