
Purpurfarbener Sonnenhut – Echinacea purpurea (L.) Moench, Blasser Sonnenhut – Echinacea pallida Nutt.
Korbblütler (Asteraceae)
Roter Sonnenhut, Purpurfarbene Kegelblume, Purpurfarbener Igelkopf; Blasse Kegelblume, Blasser Igelkopf
Die Gattung Echinacea ist in Nordamerika verbreitet und reicht von der Golfküstenebene im Süden über die Great Plains und das Zentrale Tiefland bis zu den Großen Seen im Norden; im Osten schließt sie den Gebirgszug der Appalachen mit ein und erreicht ihre Westgrenze im Bereich der Rocky Mountains. Die beide Arten E. purpurea und E. pallida kommen dabei überlappend vor. In Europa ist der Sonnenhut inzwischen als Zierpflanze eingeführt.
Der Gattungsname Echinacea leitet sich von griech. ‚echinos’ (= Igel) ab, wodurch sich auch der deutsche Name „Igelkopf” erklärt. An einen Igel erinnert in der Tat der stark kegelförmig aufgewölbte Blütenboden mit seinen langen Röhrenblüten, die zusätzlich von stacheligen Spreublättern überragt werden.
Der purpurfarbene Sonnenhut ist die größere der beiden Arten. Er wird 60 bis 180 cm hoch, der blasse Sonnenhut 40 bis 120 cm. Beide Arten haben große länglich-lanzettliche, rau behaarte Blätter; beim Purpurfarbenen Sonnenhut sind diese grob gesägt. Sehr charakteristisch sind die großen Blütenköpfchen mit ihren auffallend langen, hängenden bzw. zurückgebogenen Zungenblüten. Beim Purpurfarbenen Sonnenhut sind sie 2 bis 4 cm lang und purpurrot, beim Blassen Sonnenhut 4 bis 9 cm lang, rosa oder weiß (lat. ‚pallida’ = blass). Der Blütenboden ist stark aufgewölbt und von zahlreichen Röhrenblüten besetzt. Blütezeit ist der Spätsommer.
Beim Purpurfarbenen Sonnenhut wird sowohl das Kraut, vorzugsweise der Saft des frischen Krauts, als auch die Wurzel verwendet, die aus Kulturen in Amerika und Europa stammen. Beim Blassen Sonnenhut wird nur die Wurzel arzneilich verwendet. Die im Handel befindliche Droge stammt vorwiegend aus Wildsammlungen in Nordamerika, zu einem geringen Teil auch aus Kulturen in den USA und Europa.
Purpurfarbener Sonnenhut
(Kraut und Wurzel): Polysaccharide, Kaffeesäurederivate, Alkamide, Polyacetylene, ätherisches Öl
Blasser Sonnenhut (Wurzel): Polysaccharide, Kaffeesäurederivate, Ketoalkene und Ketoalkine, ätherisches Öl
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogezubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Purpur-Sonnenhut-Kraut: Innerlich zur unterstützenden Behandlung wiederkehrender Infekte im Bereich der Atemwege und der ableitenden Harnwege, äußerlich bei schlecht heilenden, oberflächlichen Wunden (Kommission E, ESCOP).
Das HMPC hat für Frischpflanzenzubereitungen aus Purpur-Sonnenhut-Kraut die innerliche Anwendung zur kurzzeitigen Prophylaxe und Behandlung von Erkältungskrankheiten als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert (siehe auch „traditionelle Anwendung“).
Purpur-Sonnenhut-Wurzel: Innerlich zur unterstützenden Behandlung wiederkehrender Infekte im Bereich der Atemwege und der ableitenden Harnwege (ESCOP).
Blasser Sonnenhut-Wurzel: Zur unterstützenden Therapie grippeartiger Infekte (Kommission E). Zur unterstützenden Therapie und Prophylaxe wiederkehrender Infekte der oberen Atemwege (ESCOP).
Die Frischpflanzenzubereitungen aus Purpur-Sonnenhut-Kraut wurden vom HMPC für die äußerliche Anwendung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung kann Purpur-Sonnenhut-Kraut zur Behandlung kleiner, oberflächlicher Wunden eingesetzt werden (siehe auch „Anerkannte medizinische Anwendung“).
Blasser-Sonnenhut-Wurzel wurde vom HMPC für die innerliche Anwendung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Tradition kann Blasser-Sonnenhut-Wurzel zur unterstützenden Behandlung bei Erkältungskrankheiten eingesetzt werden.
Purpur-Sonnenhut-Kraut
Um die Wirkung zu gewährleisten, sollte Sonnenhut nur in Form von Fertigarzneimitteln angewendet werden; die Dosierung ist der Packungsbeilage zu entnehmen.
Von der Bereitung eines Teeaufgusses ist abzuraten.
Bei bestehenden Allergien gegen Korbblütler (Asteraceae) müssen Sonnenhut-Zubereitungen (Echinacea-Zubereitungen) gemieden werden. Allergikern wird von der Anwendung von Sonnenhut (Echinacea) generell abgeraten.
Wegen des immunstimulierenden Effekts von Sonnenhut (Echinacea) dürfen Patienten mit schweren systemischen Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Immunschwächeerkrankungen und immunsuppressive Patienten Sonnenhut (Echinacea) nicht anwenden (nicht bei Tuberkulose, Leukosen, Kollagenosen, Multiple Sklerose, AIDS, HIV-Infektionen).
Für die Anwendung von Sonnenhut (Echinacea) während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 1 Jahr liegen noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vor. Vorsichtshalber ist deshalb diesem Personenkreis von einer Behandlung mit Sonnenhut (Echinacea) abzuraten. Stillende Mütter dürfen zur Brustpflege keine Salbe mit Sonnenhut (Echinacea) verwenden.
Allergische Reaktionen
Keine bekannt
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO Vol. 1
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 228, S. 232
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 244
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 129, S. 130
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Purpur-Sonnenhut-Kraut, Nr. 1823; Purpur-Sonnenhut-Wurzel, Nr. 1824; Blasser-Sonnenhut-Wurzel, Nr. 1822)