
(Gemeine) Rosskastanie – Aesculus hippocastanum L.
Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae)
Die Rosskastanie ist ein sommergrüner Baum, der Ende des 16. Jahrhunderts aus der Türkei wohl als Bestandteil des Pferdefutters nach Mitteleuropa kam. Heute hat sie in Europa als Allee- und Parkbaum eine große Bedeutung, kommt jedoch auch aus Kulturen verwildert vor. ‚Aesculus’ (lat.) wird beschrieben als „eine dem Jupiter heilige, auf Bergen wachsende Eichenart von hohem Wuchs und festem Holz“. Das Artepitheton hippocastananum leitet sich von griech. ‚hippos’ (= Pferd) und ‚kastanon’ (= Kastanie) her und macht deutlich, dass die Samen als Pferdefutter verwendet wurden; auch sollen sie bei Pferden als Mittel gegen Husten eingesetzt worden sein.
Die Rosskastanie wird bis zu 30 m hoch und trägt die sehr charakteristischen 5- bis 7-zählig gefingerten, großen Blätter. Die weißen bis rosaroten Blüten stehen in großen, aufrechten Trauben wie Kerzen am Ende der Zweige. Blütezeit ist April/Mai. Im Herbst fallen die grünen und stacheligen Früchte von den Bäumen. Sie brechen dabei auf und entlassen jeweils 2 bis 3 große, glänzende, braune Samen, die gerne von Kindern gesammelt werden.
Verwendet werden die getrockneten Samen. Die Droge wird aus osteuropäischen Ländern importiert.
Rosskastaniensamen enthalten Triterpensaponine (Aescin), Stärke, fettes Öl, Proteine.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Deutschen Arzneibuch (DAB) festgelegt:
Bei chronisch venöser Insuffizienz (Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, Wadenkrämpfe, Juckreiz, Beinschwellungen) (Kommission E); bei chronisch venöser Insuffizienz und Krampfadern (ESCOP).
Durch klinische Daten wurden folgende Anwendungsgebiete belegt: bei Krampfadern und trophischen Veränderungen der Haut wie z.B. Unterschenkelgeschwüren sowie bei posttraumatischen oder postoperativen Weichteilschwellungen; außerdem präventiv bei langen Flugreisen.
Das HMPC hat die innerliche Anwendung von Rosskastaniensamen zur Behandlung der chronisch venösen Insuffizienz mit den dafür typischen Symptomen (siehe Kommission E) als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert; siehe auch „traditionelle Anwendung“.
Für die äußerliche Anwendung wurde Rosskastaniensamen vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung können Salben und Gele mit Rosskastaniensamenextrakten als Wirkstoff zur Linderung der Beschwerden im Zusammenhang mit leichten venösen Störungen und zur Behandlung von lokalen Schwellungen und Blutergüssen aufgetragen werden (siehe auch „Anerkannte medizinische Anwendung“).
Um die Wirkung zu gewährleisten, soll Rosskastaniensamen nur in Form von auf Aescin standardisierten Fertigarzneimitteln angewendet werden; die Dosierung ist der Packungsbeilage zu entnehmen.
Bei bestehenden Allergien gegen Rosskastaniensamen müssen Rosskastaniensamenzubereitungen in jeder Form gemieden werden.
Während der Schwangerschaft und Stillzeit nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da bisher noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vorliegen. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Krankheitsbild nicht relevant.
Bei Einnahme von Rosskastaniensamen kommt es gelegentlich zu Magenbeschwerden, Übelkeit und Juckreiz.
Keine bekannt
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 2)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 351
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 223
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 34
Kommentar zum Deutschen Arzneibuch (Rosskastaniensamen, Rosskastaniensamentrockenextrakt)