
Frühlings-Schlüsselblume oder Echte Schlüsselblume – Primula veris L.
Wald-Schlüsselblume oder Hohe Schlüsselblume – Primula elatior L.
Primelgewächse (Primulaceae)
Die Echte Schlüsselblume besiedelt mit 3 verschiedenen Unterarten die Wiesen und lichten Gebüsche eines großen Gebiets von Ostasien über Zentral- und Vorderasien bis Mitteleuropa. Im hohen Norden fehlt sie. Der Gattungsname Primula leitet sich von lat. ‚prima’ (= die erste) und ‚ver’ (= der Frühling, gen. veris = des Frühlings) ab und bedeutet „kleiner Erstling des Frühlings“. Damit kommt zum Ausdruck, dass die Schlüsselblume im Frühjahr zu den ersten blühenden Pflanzen gehört. Im Deutschen existiert auch der daraus abgeleitete, verkürzte Namen „Primel“. „Schlüsselblume“ spielt auf die schlüsselförmige Gestalt der Blüte an, bis ins 16. Jahrhundert wurde die Pflanze wegen der einem Schlüsselbund ähnlichen Anordnung der Blüten auch „Himmelsschlüssel“ genannt. Man nahm an, dass sie durch ihre Heilwirkung „den Himmel aufschließen kann“.
Aus einer Rosette von samtig behaarten, ganzrandigen Blättern entspringen die bis zu 20 cm hohen Blütenschäfte. An deren Enden stehen mehrere hängende, angenehm duftende Blüten in einer Dolde angeordnet. Die Kelchblätter sind zu einer Röhre verwachsen, aus der die dottergelbe Blütenkrone mit 5 Lappen deutlich herausschaut. Die Blütenschäfte der nah verwandten Wald-Schlüsselblume oder Hohen Schlüsselblume (Primula elatior (L.) Hill.) werden bis 30 cm hoch, ihre Blütenkrone ist blassgelb bis schwefelgelb und duftet nicht. Blütezeit beider Arten ist April bis Mai.
Verwendet werden sowohl die getrockneten Wurzelstöcke (Rhizome) mit den daran anhängenden 1 mm dicken, langen getrockneten Wurzeln als auch die getrockneten Blüten mitsamt den Kelchen. Beide Drogen können von Primula veris und/oder Primula elatior gewonnen werden. Die Wurzeldroge wird aus dem ehemaligen Jugoslawien, der Türkei und Bulgarien geliefert.
Primelwurzeln enthalten Triterpensaponine und Phenolglykoside. Schlüsselblumenblüten (Primelblüten) enthalten ebenfalls Triterpensaponine.
Die Qualität der Primelwurzel (Primulae radix) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.), die Qualität der Primelblüten (Schlüsselblumenblüten; Primulae flos cum calycibus) im Deutschen Arzneimittel Codex (DAC) festgelegt.
Bei Katarrhen der Luftwege (Kommission E); bei produktivem Husten und Katarrhen der Luftwege und chronischer Bronchitis (ESCOP). Ein durch klinische Daten belegtes Anwendungsgebiet (Zulassung) lautet: „bei Erkältungskrankheiten mit zähflüssigem Schleim“.
Das HMPC hat Primelwurzel und Schlüsselblumenblüten (Primelblüten) als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft (siehe „traditionelle Anwendung“).
Das HMPC hat Primelwurzel und Primelblüten als traditionelle pflanzliche Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung können Primelwurzel und Primelblüten als Expektorans bei Husten im Zusammenhang mit einer Erkältung eingesetzt werden.
Primelwurzel wird auch in Kombination mit anderen Drogen traditionell angewendet zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Primelwurzel
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: Als Expektorans alle 2 bis 3 Stunden 1 Tasse mit Honig gesüßten Primelwurzel- bzw. Primelblütentee warm trinken. Tagesdosis Primelwurzel: 0,5 bis 1,5 g Droge; Tagesdosis Primelblüten: 2 bis 4 g Droge.
Primelwurzel: 0,2 bis 0,5 g fein geschnittene Droge wird mit 150 mL kaltem Wasser versetzt, der Ansatz zum Kochen gebracht, vom Herd genommen und nach 10 Min. abseiht.
Primelblüten: 1,3 g (1 Teelöffel) Droge wird mit 150 mL kochendem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Min. abgeseiht.
Bei Vorliegen eines Asthmaleidens sollen Primelwurzel und Primelblüten nicht angewendet werden, ebenso nicht bei Kindern mit einer obstruktiven Kehlkopfentzündung. Vorsicht ist auch geboten bei Patienten mit Magenschleimhautentzündung und Magengeschwüren.
Für die Anwendung von Primelwurzel und Primelblüten während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vor. Von der Anwendung gegen Husten bei Kindern unter 4 Jahren ist abzuraten, weil diese Symptomatik in ärztliche Hände gehört.
Bei magenempfindlichen Personen kann es zu Magenbeschwerden kommen; auch können allergische Reaktionen auftreten.
Keine bekannt
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 528
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 208
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 255
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Primelwurzel, Nr. 1364)