
(Fleischfarbene) Passionsblume – Passiflora incarnata L.
Passionsblumengewächse (Passifloraceae)
Passionsblumen sind Pflanzen des tropischen Regenwaldes und somit sind die meisten Arten in den tropischen und subtropischen Gebieten von Mittel-, Nord- und Südamerika heimisch. 20 Arten wachsen auch in Asien, Australien und Neuseeland. Wegen ihrer außergewöhnlichen Blüten waren sie beliebte Sammelobjekte von Botanikern und Sammlern, die dadurch im 18. und 19. Jahrhundert für eine weite Verbreitung verschiedener Arten sorgten. Deshalb ist die Gattung Passiflora heute in allen tropischen und subtropischen Gebieten anzutreffen. Durch die spanischen Eroberungen kamen Passiflora-Arten auch nach Europa und sind heute als Zierpflanze hier sehr beliebt. Die fleischfarbene Passionsblume ist kälteresistent und kann im Freien auch in milderen Gegenden überwintern. Die Wildvorkommen in Südeuropa sind verwilderte Exemplare der Himmelblauen Passionsblume (P. caerulea).
Der spanische Arzt und Botaniker Nicolás Monardes sah in den auffälligen Blüten von P. caerulea (Himmelblaue Passionsblume) das Symbol für die Passion Christi und nannte die Pflanze ‚Flos Passionis’, abgeleitet von lat. ‚passio’ (= Leiden), ins Deutsche übersetzt dann „Passionsblume“. Im kronenartig, weißlich-blau gefärbten Kelch sah man die Dornenkrone und die Farbe der Unschuld, in den fädigen Blütenblättern die zerrissenen Kleider Jesu. In dem durch einen Stiel aus dem Achsenbecher emporgehobenen Fruchtträger erkannte man die Säule, an die Christus gebunden wurde, im oberständigen Fruchtknoten den in Galle getränkten Schwamm. Die 3 Narben stellten die Nägel, die 5 Staubblätter die fünf Wunden und die Staubbeutel die Schlagwerkzeuge dar. Diese mit einem Durchmesser von 5 bis 9 cm außergewöhnlich großen Blüten hängen einzeln an einer mit Ranken bis 10 m hoch kletternden Pflanze. Blütezeit ist Mai bis September. Die Blätter sind tief dreiteilig gelappt. Aus der bis 6 cm großen Frucht (Passionsfrucht) wird der Maracuja-Saft gewonnen.
Verwendet werden die getrockneten, zerkleinerten oder geschnittenen, oberirdischen Teile der Pflanze (Passionsblumenkraut). Die Droge besteht vorwiegend aus den Blättern, Blütenteile und Fruchtteile können auch enthalten sein. Die Droge stammt aus USA und Indien.
Passionsblumenkraut enthält Flavonoide, cyanogene Glykoside, freie Aminosäuren und Polysaccharide.
Die Qualität des Passionsblumenkrauts (Passiflorae herba) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.
Bei Unruhezuständen (Kommission E); bei Angespanntheit, Unruhezuständen und Erregbarkeit mit Einschlafstörungen (ESCOP). Das HMPC hat Passionsblumenkraut als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
Passionsblumenkraut wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung kann Passionsblumenkraut zur Besserung leichter Stresssymptome und als Schlafhilfe eingesetzt werden. Allein oder in Kombination mit anderen Drogen wird Passionsblumenkraut traditionell zur Besserung des Befindens bei nervlicher Belastung verwendet (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 2 bis 4 mal täglich eine Tasse warmen Passionsblumenkrauttee trinken, als Einschlafhilfe eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen. Einzeldosis: etwa 2 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen wie Baldrianwurzel, Hopfenblüten und Melissenblätter (Schlaf- und Beruhigungstees).
2 g fein geschnittenes Passionsblumenkraut werden mit 150 mL kochendem Wasser übergossen und nach 5 bis 10 Min. abgeseiht.
Es ist nicht ganz auszuschließen, dass Passionsblumenkraut die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt.
Für die Anwendung von Passionsblumenkraut während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
Allenfalls allergische Reaktionen
Keine bekannt
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO Vol. 3
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 486
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 195
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 227
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Passionsblumenkraut, Nr. 1459)
Arzneipflanzenlexikon
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