
Mariendistel - Silybum marianum (L.) Gaertn. (syn. Carduus marianus L.)
Korbblütler (Asteraceae)
Silberdistel, Frauendistel, Milchdistel
Die Mariendistel ist in Südeuropa, den Kaukasusländern, Klein- und Vorderasien sowie in Nordafrika und den Kanarischen Inseln heimisch, in vielen anderen Ländern eingeschleppt. Sie wächst vorzugsweise auf sonnigen, felsigen Hängen, an Zäunen in der Nähe von Häusern, Bahnhöfen und Dorfstraßen. Mariendistel für arzneiliche Zwecke stammt ausschließlich aus Kulturen. Der Gattungsnamen Silybum leitet sich vom griechischen ‚silibon (ethymologisch Syllibon)’ = Quaste ab.
Die distelartige Pflanze ist ein- oder zweijährig. Sie wird 60 bis 150 cm hoch und blüht von Juni bis September mit purpurroten Korbblütenköpfchen, die nur aus Röhrenblüten bestehen. Ihr distelartiges Aussehen rührt von den äußeren Hüllblättern der Blüte her, die in starke, stechende Dornenspitzen auslaufen. Die einzelnen Lappen der Stängel umfassenden Blätter enden ebenfalls in spießförmigen, gelben Dornen. Sie stehen am unteren Teil der Stängel und sind entlang der Nerven typisch weißlich gefleckt und marmoriert. Die braun-fleckigen Früchte tragen als Flugorgan einen glänzend weißen Pappus.
Verwendet werden die vom Pappus befreiten, reifen Früchte.
Die im Handel befindliche Droge stammt ausschließlich aus dem Anbau, z. T. in Norddeutschland, wird jedoch vorwiegend importiert, vor allem aus Argentinien und China, Rumänien und Ungarn.
Mariendistelfrüchte enthalten Flavolignane (Silymarin) und fettes Öl
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Standardisierte Extraktpräparate und Silymarin: innerlich zur unterstützenden Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose; zur Behandlung von toxischen Leberschäden (intravenös).
Mariendistelfrüchte zur Unterstützung der Verdauungsfunktion bei dyspeptischen Beschwerden (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufgüsse werden nicht empfohlen, da damit die wirksame Dosis nicht erreicht wird.
Bei bestehenden Allergien gegen Mariendistel müssen Mariendistelzubereitungen in jeder Form gemieden werden.
Während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern unter 12 Jahren nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt anwenden, da bisher noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.
Selten leicht abführende Wirkung und Überempfindlichkeitsreaktionen
Keine bekannt
Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 2)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 627
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 174
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 300
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Mariendistelfrüchte, Nr. 1860; Mariendistelfrüchtetrockenextrakt, Nr. 2071)