
Winter-Linde – Tilia cordata Mill.
Sommer-Linde – Tilia platyphyllos Scop.
Lindengewächse (Tiliaceae)
Die Winter- und Sommerlinde sind in Europa weit verbreitet und als beliebte Straßen- und Parkbäume überall präsent. Sie blühen erst nach der vollständigen Belaubung, die Sommerlinde im Juni, die Winterlinde erst im Juli. In der Hitze des Sommers riecht man dann auf weiten Strecken den Honigduft des am Grunde der Kelchblätter reichlich abgesonderten Nektars, womit Bienen und andere Insekten angezogen werden. Deshalb hieß der Juli früher auch „Lindenmonat“. Vermutlich stammt der Name „Linde“ von ihrem weichen Holz oder biegsamen Bast, der früher von Lindenästen und Lindenstämmen als Bindematerial gewonnen wurde (mundartlich ‚Lind’ = Bast). Das Artepitheton der Winterlinde cordata nimmt auf das herzförmige Blatt Bezug und leitet sich von lat. ‚cor’ (= Herz) bzw. ‚cordatus’ (= herzförmig) ab. Das Artepitheton der Sommerlinde platyphyllos stammt von griech. ‚platys’ (= breit) und ‚phyllon’ (=Blatt).
Es handelt sich um hohe Bäume (bis 40 m) mit charakteristischen, rispenartigen Blütenständen. Die Blüten sind gelb-weißlich und haben als auffallendes Merkmal zahlreiche (bis zu 40) Staubblätter. Bei der Winterlinde sind 4 bis 15 Blüten, bei der Sommerlinde 2 bis 5 Blüten zu einem rispenartigen Blütenstand vereinigt. Ein flügelartiges, häutiges Vorblatt, zur Hälfte mit dem Rispenstiel verwachsen, wirkt beim Abfallen der Früchte wie ein Propeller, sodass sie lange durch die Luft schweben und so vom Wind verbreitet werden können.
Verwendet werden die getrockneten Blütenstände der Winter- und der Sommerlinde. Die Droge des Handels stammt aus den Balkanländern, der Türkei und aus China.
Lindenblüten enthalten Flavonoide, Schleimstoffe, Gerbstoffe und ätherisches Öl.
Die Qualität der Lindenblüten (Tiliae flos) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.
Bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem trockenen Reizhusten (Kommission E).
Traditionell angewendet in Kombination mit anderen Drogen zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Zerkleinerte Lindenblüten als Tee
Teeaufguss: 2 bis 4 mal täglich eine Tasse Lindenblütentee möglichst heiß trinken (Schwitzkur); mittlere Tagesdosis 2 bis 4 g Droge. Sinnvoll ist eine Kombination mit anderen Drogen (Erkältungstee).
1 bis 2 g Lindenblüten mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 5 bis 10 Min. abseihen.
Für die Anwendung von Lindenblüten während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren liegen noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vor.
Keine bekannt
Keine bekannt
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 667
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 166
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 324
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Lindenblüten, Nr. 957)