
Knoblauch – Allium sativum L.
Zwiebelgewächse (Alliaceae)
Zentralasien gilt als die Heimat des Knoblauchs, jedoch wird die Pflanze schon sehr lange in Kultur gehalten und fast in der gesamten Welt, besonders im vorderen Orient, angebaut. Der europäische Bedarf an Knoblauch wird durch Kulturen in Südeuropa gedeckt. Die lange Tradition als Kulturpflanze kommt im Artepitheton sativum zum Ausdruck (lat. ‚sativus’ = angebaut, angepflanzt, ausgesät). Die Etymologie des Gattungsnamens Allium ist ungeklärt, möglicherweise leitet er sich von lat. ‚olere’ (= riechen) ab, was auf den markanten Geruch aller Allium-Arten, u.a. Knoblauch, Zwiebel, Bärlauch, Schnittlauch, hindeuten würde. Der deutsche Namen „Knoblauch“ wird mit dem althochdeutschen ‚klobo’ (= gespaltener Stock, Kloben) in Verbindung gebracht, was so viel heißt wie „gespaltener Lauch“. Damit ist die aus den (Knoblauch-) Zehen zusammengesetzte Zwiebel gemeint.
Im Gegensatz zur Küchenzwiebel (Allium cepa) ist der Knoblauch keine Schalenzwiebel mit ineinander geschachtelten Blättern. Seine röhrig-scheidenförmigen, weißen Blätter stehen nahezu nebeneinander rings um die gestauchte Achse. Jedes Blatt umschließt am Grunde 3 bis 5 „Zehen“. So nennt man die dicht aneinander schließenden und dadurch leicht kantigen, krummen Nebenzwiebeln, die auf dem harten, unterseits von Wurzelfasern bedeckten Zwiebelkuchen um die länglich-eiförmige Hauptzwiebel herum stehen. Der essbare Teil einer Zehe besteht aus einem fleischigen Niederblatt des Rhizoms (unterirdischer Sprossteil), das die Knospe röhrig umgibt. Zu ihm dringt man vor, wenn man die weißen und rötlichen papierartigen Hüllen der Zehe entfernt hat. Haupt- und Nebenzwiebeln werden außerdem gemeinsam von mehreren trockenhäutigen, weißlichen Niederblatthüllen umhüllt, was den Anschein erweckt, es handele sich um eine „Zwiebel“.
Die Pflanze selbst ist eine ausdauernde, 25 bis 70 cm hohe Pflanze mit aufrechtem, starrem Stängel, der bis zur Mitte mit flachen, breit-linealen, zugespitzten Laubblättern beblättert ist. Die Blüten sind lang gestielt, verbleiben aber meist im Knospenstadium; die Blütenblätter sind rötlich oder grünlichweiß.
Verwendet werden die getrockneten Zwiebeln („Zehen“) in Form von Pulver. Knoblauch wird aus den Mittelmeerländern eingeführt, auch aus China.
In der frischen Knoblauchzehe ist das geruchlose Alliin [(+)-S-Allyl-L-cysteinsulfoxid] enthalten, aus dem beim Schneiden und Trocknen durch Kontakt zum knoblaucheigenen Enzym Alliinase das Allicin (Allyl-2-propenthiosulfat) entsteht. Dieses vermittelt den angenehmen Geruch des frischen Knoblauchs, doch lagert es sich dann spontan in stark riechende, flüchtige Schwefelverbindungen um. Bei der Herstellung der Droge soll das Alliin-Alliinase-System möglichst intakt bleiben, was durch schnelle und schonende Trocknung der Zwiebel erreicht wird.
Die Qualität von Knoblauchpulver (Allii sativi bulbi pulvis) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.
Zur Unterstützung diätetischer Maßnahmen bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen (allgemeine Arterienverkalkung – Arteriosklerose - Atherosklerose) (Kommission E, ESCOP); ESCOP erwähnt auch die volkstümliche Anwendung von Knoblauch bei Infektionen der oberen Atemwege und Erkältungskrankheiten, beurteilt diese aber wegen fehlender klinischer Daten sehr kritisch.
Knoblauch hat keine Listung als traditionelles Arzneimittel (§ 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Frische Knoblauchzwiebel: Mittlere Tagesdosis 4 g. Die Bereitung eines Teeaufgusses ist nicht sinnvoll, da das im Knoblauch enthaltene Alliin kaum wasserlöslich ist und deshalb kaum in den Tee über geht; ohnehin würde es sich bei der Zubereitung dann spontan zu den unangenehm riechenden Schwefelverbindungen umlagern.
entfällt
Bei Einnahme von Knoblauch und Knoblauchzubereitungen kommt es zu Veränderungen des Geruchs von Haut und Atemluft.
Es gibt keine Anhaltspunkte für Risiken in der Schwangerschaft und Stillzeit; allerdings gehen Knoblauchsubstanzen in die Muttermilch über. Bei Kindern und Jugendlichen ist das Krankheitsbild der Arterienverkalkung nicht relevant.
Keine bekannt
Es gibt nicht ganz geklärte Hinweise auf eine mögliche Wirkungsverstärkung von gleichzeitig eingenommenen Antikoagulanzien (Marcurmar u.a.) und den Blutdruck senkenden Arzneimtteln; auch gibt es nicht geklärte Hinweise auf eine mögliche Wirkungsabschwächung des HIV-Proteasehemmers Saquinavir.
Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 1)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 59
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 150
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 39
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Knoblauchpulver, Nr. 1216)
Arzneipflanzenlexikon
Glossar
Ratgeber