
Indisches Flohsamen-Kraut – Plantago ovata Forssk. (Syn. P. ispaghula Roxb.)
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Das Indische Flohsamen-Kraut ist im Iran und Indien heimisch und wird dort und auch in den Nachbarländern kultiviert. Der Gattungsname Plantago, abgeleitet von lat. ‚planta’ (= Fußsohle, Fußfläche) mit dem bei Pflanzen häufigen Suffix ‚ago’, bezieht sich zum einen auf die flachen, eiförmigen in Rosetten eng am Boden liegenden Blätter des Breitwegerichs (P. major), zum anderen auch darauf, dass der Wegerich an den Wegen oft mit den Füßen niedergetreten wird. Das reichliche Vorkommen am Wegrand hat ihm auch den deutschen Namen „Wegerich“ eingebracht.
Das Indische Flohsamen-Kraut (auch Indischer Flohsamen-Wegerich) zeichnet sich allerdings durch grundständige, sehr lange, schmal-lineale, weiß-flaumig behaarte Blätter aus. Die kleinen Blüten stehen in kurzen, dichtblütigen Ähren an niedrigen Blütenschäften, kaum über die Blätter herausschauend. Die Frucht reift zu einer Deckelkapsel heran und enthält kleine, kahnförmige Samen von stark variierender Farbe. Sie erinnern wie beim „Flohkraut“ bzw. „Flohsamen-Wegerich“ an Flöhe, was der Pflanze dann den deutschen Namen „Indisches Flohsamen-Kraut“ eingebracht hat.
Verwendet werden die reifen Samen. Die Droge wird aus Pakistan und Indien importiert.
Indische Flohsamen enthalten in der Samenschale Schleimstoffe, im Endosperm Proteine und fettes Öl.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Indische Flohsamen und Indische Flohsamenschalen: Innerlich bei chronischer Verstopfung und bei Erkrankungen, bei denen ein weicher Stuhl erforderlich ist (Analfissuren, Hämorrhoiden, nach anorektalen Eingriffen, während der Schwangerschaft und unterstützend zur kurzzeitigen Therapie bei Durchfällen verschiedener Ursache (Kommission E, ESCOP). Klinische Studien belegen auch die Anwendung bei Stuhlunregelmäßigkeiten, beim Reizdarm, Divertikulose, bei Vorliegen eines künstlichen Darmausgangs und als unterstützende Maßnahme bei Morbus Crohn.
Das HMPC hat die innerliche Anwendung von Indischen Flohsamen bei wiederholt auftretender Verstopfung und zur Erweichung des Stuhls, z.B. bei schmerzhaftem Stuhlgang, nach rektalen oder analen Untersuchungen, bei Analfissuren und Hämorrhoiden, als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert. Für Indische Flohsamenschalen, die ein höheres Quellvermögen haben, wurde zusätzlich noch die Anwendung bei Reizdarm und zur Unterstützung einer Cholesterin-senkenden Diät als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well established medicinal use“) akzeptiert.
Kein Hinweis auf eine traditionelle Anwendung nach § 109a
Indische Flohsamen: 8 bis 40 g Flohsamen (Tagesdosis) in drei Einzeldosen mit reichlich Flüssigkeit einnehmen (sehr wichtig! mind. 200 mL pro Dosis). Indische Flohsamen können auch in Wasser, Milch oder Saft vorgequollen eingenommen werden. Während der Therapie mit Indischen Flohsamen bzw. Flohsamenschalen muss in jedem Fall eine reichliche Flüssigkeitszufuhr gewährleistet sein.
Indische Flohsamenschalen: Da der quellfähige Schleim in der Samenschale liegt, haben pro Gewichtseinheit die Flohsamenschalen ein deutlich stärkeres Quellvermögen als die Samen. Deshalb genügen 7 bis 11 g Indische Flohsamenschalen (Tagesdosis) in drei Einzeldosen. Wichtig ist auch hier, dass reichlich Flüssigkeit nachgetrunken wird (mind. 200 mL pro Dosis).
Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr ist zu achten!
Bei Verdacht auf Darmverschluss (Ileus), bei schmerzhaften oder blutigen Darmproblemen, bei Erkrankungen der Speiseröhre und bei Schluckbeschwerden dürfen Indische Flohsamen und Indische Flohsamenschalen nicht eingenommen werden. Auch sollen Indische Flohsamen und Indische Flohsamenschalen nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
Die Anwendung bei Kindern unter 6 Jahren wird wegen fehlender Erfahrung nicht empfohlen.
Bei Beachtung der erhöhten Flüssigkeitszufuhr sind keine Nebenwirkungen zu erwarten, allenfalls Blähungen.
Indische Flohsamen bzw. Flohsamenschalen sollen ½ bis 1 Stunde vor oder nach der Einnahme von anderen Arzneimitteln eingenommen werden, da sich ansonsten die Aufnahme anderer Arzneimittel aus dem Magen-Darm-Trakt verzögern kann.
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 1 und Vol. 3)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 518
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 97
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 245
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Indische Flohsamen, Nr. 1333; Indische Flohsamenschalen, Nr. 1334)
Arzneipflanzenlexikon
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Ratgeber