
Koreanischer oder Echter Ginseng – Panax ginseng C.A. Meyer
Sibirischer Ginseng – Eleutherococcus senticosus (Ropr. et Maxim.) Maxim.
Chinesischer Ginseng oder Notoginseng – Panax pseudoginseng Wall. [Syn. Panax nothoginseng (Burk.) F.H. Cheng]
Amerikanischer Ginseng – Panax quinquefolius L.
Efeugewächse (Araliaceae)
Der Gattungsname Panax kann mit „alles heilend“ übersetzt werden, abgeleitet von griech. ‚pan’ (= alles) und ‚akos’ (=Heilmittel, Heilung). Auch der deutsche Gattungsname „Kraftwurz“ verweist auf die Kraft spendende Eigenschaft, wobei diese ausschließlich den Wurzeln zukommt. „Ginseng“ ist die eingedeutschte Schreibweise des chinesischen Namens für den Koreanischen Ginseng: ‚schen-schen’ oder ‚schin-schen’. Die Gattung Eleutherococcus wird in der Literatur auch unter dem Synonym Acanthopanax geführt, da sie 1894 der Gattung Acanthopanax einverleibt wurde, sozusagen als „Panax mit Dornen“ (von griech. ‚acantha’ = Dorn); Eleutherococcus blieb dabei eine eigenständige Sektion. 1920 wurden die Arten der Sektion Eleutherococcus wieder ausgegliedert. Die dem Sibirischen Ginseng anhaftenden Dornen sind im Artepitheton senticosus erhalten (lat. ‚sentis’ = Dorn, suffix –osus = reich an, somit „dornenreich“). Im Deutschen wurde diese Art wegen ihrer Kraft spendenden Wurzel auch als „Ginseng“ bezeichnet. Der Chinesische Ginseng ist dem Koreanischen Ginseng ähnlich, was im Artepitheton pseudoginseng zum Ausdruck kommt (griech. ‚pseudo’ = täuschen, hier im Sinne von „vortäuschen“ = täuscht Ginseng vor).
Der Koreanische Ginseng wächst in den schattigen Gebirgswäldern Ostasiens von Nepal über Korea bis zur Mandschurei. Verbreitungsgebiet des Sibirischen Ginsengs ist Ostsibirien und dort die Gebiete um Khabarovsk, Primorsk sowie das mittlere Amurgebiet. Der Chinesische Ginseng ist in den bergigen nordöstlichen Provinzen Chinas heimisch. Der Amerikanische Ginseng wächst in den schattigen, feuchten Wäldern im nördlichen und mittleren Teil Nordamerikas sowie in Teilen Kanadas.
Der Koreanische Ginseng ist eine 30 bis 80 cm hohe Pflanze mit rundem Stängel, an dem meist vier lang gestielte, 5-zählig gefingerte Blätter in einem endständigem Wirtel stehen. Je 15 bis 30 kleine weiß-grünliche Blüten stehen in Dolden. Aus den Fruchtknoten bilden sich etwa erbsengroße, kugelige, scharlachrote, glänzende Beeren, die je zwei Samen enthalten. Besonders charakteristisch ist die spindelförmige Wurzel mit geteilter Spitze, die der Gestalt eines Menschen ähnlich ist. Die anderen Panax-Arten sind im Habitus dem Koranischen Ginseng ähnlich, der Sibirische Ginseng (Eleutherococcus senticosus) ist ein 2 bis 3 m hoher Strauch mit bedornten Zweigen, Blattstielen und Blattnerven.
Verwendet werden die getrockneten Wurzeln. Der Koreanische Ginseng wird als Weißer und Roter Ginseng gehandelt. Beim Weißen Ginseng werden die Wurzeln nach der Ernte gewaschen und sofort getrocknet. Roten Ginseng erhält man, wenn man die Wurzeln nach der Ernte mehrere Stunden brüht, wodurch sie beim Trocknen dann hornartig durchscheinend werden und eine rötliche Farbe annehmen. Die Droge wird hauptsächlich aus Korea und China importiert. Die Wurzeln des Sibirischen Ginsengs, bei uns als „Taigawurzel“ im Handel, stammen aus Wildvorkommen in Russland. Die Wurzeln des Chinesischen Ginseng werden aus China importiert, die Wurzeln des Amerikanischen Ginsengs sind bei uns nicht handelsüblich.
Die Wurzeln des Koreanischen Ginsengs enthalten Ginsenoside (bisdesmosidische Triterpensaponine vom Dammarantyp), Polyacetylene, Phenolcarbonsäuren, Peptidoglykane und Polysaccharide.
Die Wurzeln des Sibirischen Ginsengs (Taigawurzel) enthalten Lignane, Hydroxycumarine, Triterpensaponine, Steroidglykoside, Phenylacrylsäure-Deriva¬te und Polysaccharide (Eleutherane).
Die Wurzeln des Chinesischen Ginsengs enthalten Ginsenoside, Notoginsenoside, Polyacetylene und Polysaccharide.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Koreanischer und Sibirischer Ginseng: Als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz (Kommission E, ESCOP). Der Chinesische Ginseng ist eine Droge der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).
Koreanischer und Sibirischer Ginseng: Traditionell angewendet zur Besserung des Allgemeinbefindens (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Ginsengwurzel
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: mehrmals täglich über 3 bis 4 Wochen eine Tasse Ginsengtee trinken. Mittlere Tagesdosis 2,0 bis 3,0 g Droge.
3 g fein geschnittene Ginsengwurzel mit ca. 150 mL siedendem Wasser übergießen und nach 5 bis 10 Min. abseihen.
Für die Anwendung von Ginsengwurzel während der Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vor. Eine strenge Indikationsstellung ist daher wichtig. Dies gilt auch für die Anwendung bei Kindern unter 12 Jahren.
Die Anwendungsdauer sollte nicht länger als 3 Monate wegen fehlender Langzeitstudien betragen. Bei Bluthochdruck ist Vorsicht geboten.
Selten Übelkeit, Magenbeschwerden und leichter Durchfall.
Bei gleichzeitiger Einnahme von die Blutgerinnung hemmenden Arzneimitteln vom Cumarin-Typ (Phenprocoumon, Warfarin) muss eine engmaschige Kontrolle der Gerinnungsparameter erfolgen und die Dosis entsprechend angepasst werden.
Kommission E, ESCOP, WHO (Vol. 1 und 2)
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 235, 305
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 110, 254
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 132, 224
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Ginsengwurzel, Nr. 1523; Taigawurzel, Nr. 1419; Notoginsengwurzel, Nr. 2383)