
(Gemeine) Fichte, Rottanne – Picea abies (L.) H. Karst.
Kieferngewächse (Pinaceae)
Die Fichte hat in den Waldkulturen von Nord- und Mitteleuropa die Vorherrschaft. In der Jugend wächst sie sehr langsam, mit 20 Jahren beginnt ein starkes Höhenwachstum, das den Baum 30 bis 40 m in die Höhe treibt. Die große Ebenmäßigkeit des Baumkegels macht sie zu einem beliebten Zierbaum. Die Bezeichnung „Rottanne“ rührt von der roten Farbe der Borke her; die Borke der „Weißtanne“ (Abies alba Mill.) ist grauweiß. Die Nadeln der Fichte sind 1,3 bis 2,5 cm lang, spitz und vierkantig und stehen spiralig um den Zweig. Alle drei bis vier Jahren blüht die Fichte und bildet dann hängende, 10 bis 15 cm lange Zapfen, deren geflügelte Samen im folgenden Frühling ausfallen. Im Herbst sind dann die leeren Zapfen unter dem Baum zu finden.
Die Pflanze selbst wird nicht verwendet, sondern das daraus gewonnene „Fichtennadelöl“. Es ist ein ätherisches Öl und wird aus den frischen, zerkleinerten Zweigen und den anhängenden Nadeln durch Wasserdampfdestillation gewonnen.
Fichtennadelöl besteht aus Monoterpenen, hauptsächlich aus Bornylacetat, Pinen Phellandren und Camphen.
Die Qualität des Fichtennadelöls (Piceae aetheroleum) ist im Deutschen Arzneibuch (DAB) festgelegt. Dort ist auch geregelt, dass das Öl auch aus der sibirischen Tanne (Abies sibirica Ledeb.) gewonnen werden kann, deren Nadeln ein ähnlich zusammengesetztes ätherisches Öl enthält.
Innerlich bei Erkältungskrankheiten der Luftwege; äußerlich zur Behandlung rheumatischer Beschwerden (Wärmetherapie) und bei Nervenschmerzen.
Fichtennadelöl in alkoholischen Lösungen, Salben, Cremes, Emulsionen, Ölen und Bädern (Erkältungsbad) zur äußeren Anwendung
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Innerlich: mehrmals täglich 3 bis 4 Tropfen auf einem Stück Zucker oder in Wasser einnehmen.
Äußerlich: Zur Inhalation einige Tropfen Fichtennadelöl auf heißes Wasser geben und inhalieren. 5 g Öl als Badezusatz in ein Vollbad (35 – 38°C) geben und 10 bis 20 Min. darin baden.
Fichtennadelöl nicht anwenden bei Bronchialasthma und Keuchhusten und nie im Bereich der Augen. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis zu 2 Jahren Gefahr Glottiskrampf oder Atemstillstand, deshalb nicht im Gesicht auftragen.
Gelegentlich Hautreizungen und Ekzeme
Keine bekannt
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 96
Kommentar zum Deutschen Arzneibuch