
Gelber Enzian – Gentiana lutea L.
Enziangewächse (Gentianaceae)
Der Gelbe Enzian ist eine mittel- und südeuropäische Gebirgspflanze und kommt in den Voralpen, Alpen, im Jura, im Zentralmassiv, in den Pyrenäen sowie im Schwarzwald und den Vogesen vor. Er wächst auf Weiden, ungedüngten Mähwiesen, in der Karflur, in Gebüschen, auf Schutthalden und an Felsen. Der Gattungsname Gentiana stammt von Genthios, dem letzten König der illyrischen Labeaten in Skodra (heute Albanien), der die Wirksamkeit der Wurzel des Gelben Enzians erkannt haben soll. Das Artepitheton lutea nimmt auf die gelbe Farbe der Blüten Bezug (lat. ‚luteus’ = gelb). Die deutsche Bezeichnung „Enzian“ leitet sich vom wissenschaftlichen Gattungsnamen unter Verlust des „G“ ab, althochdeutsch ‚genciane’.
Der Gelbe Enzian wird 45 bis 140 cm hoch, seine Hauptwurzel kann eine Länge von bis zu einem Meter erreichen. Der Stängel ist fingerdick und hohl, im unteren Bereich trägt er die großen elliptischen, bogennervigen Laubblätter. Die gelben Blüten sind lang gestielt und stehen in 3- bis 10-blütigen Trugdolden in den Achseln von schalenförmigen Tragblättern. Die Frucht ist eine spitz-kegelförmige, bis 6 cm lange Kapsel mit zahlreichen Samen. Blütezeit ist Juni bis August.
Aus der frischen Wurzel wird der Enzian-Branntwein („Enzler") gewonnen. Dazu werden die Wurzeln der Fermentation überlassen, dann getrocknet, gehackt und mit Wasser angesetzt und vergoren. Auch kann man die frischen Wurzeln direkt vergären lassen oder diese einer Obstmaische zusetzen. Beim Destillieren des Branntweins gehen die Enzian-Bitterstoffe nicht ins Destillat über, die Enzianwurzeln verleihen dem Destillat jedoch ein sehr charakteristisches Aroma. Alkoholisch-wässrige Auszüge der Wurzel enthalten die Bitterstoffe und finden bei der Herstellung von Apéritif-Getränken (Alpenbitter, Enzianbitter) Verwendung, meist im Gemisch mit anderen Bitterstoffe enthaltenden Pflanzen. Durch starke Sammelaktivitäten im Zusammenhang mit der Herstellung dieser Alkoholika war der Bestand des Gelben Enzians zeitweilig stark gefährdet, was in Bayern zu großen Anstrengungen um einen Anbau führte, was schließlich gelang.
Verwendet werden die unterirdischen Organe bestehend aus Rhizom (Wurzelstock) und Wurzeln. Die Droge stammt aus Wildsammlungen in Frankreich, Spanien und den Balkanländern sowie aus Kulturen in Frankreich und Deutschland.
Enzianwurzel enthält Bitterstoffe vom Secoiridoidtyp, Gentisin (gelber Farbstoff) und Kohlenhydrate (u.a. das Trisaccharid Gentianose).
Die Qualität der Enzianwurzel (Gentianae radix) ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt.
Bei Verdauungsbeschwerden wie Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen (Kommission E, ESCOP.
Das HMPC hat Enzianwurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft (siehe „Traditionelle Anwendung“).
Enzianwurzel wurde vom HMPC als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung kann Enzianwurzel bei leichten dyspeptischen und gastrointestinalen Beschwerden und/oder bei vorübergehender Appetitlosigkeit eingesetzt werden.
Traditionell angewendet zur Unterstützung der Verdauungsfunktion und zur Besserung des Befindens bei Unwohlsein (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: 3 bis 4 mal täglich eine Tasse warmen Enziantee trinken; auch kombiniert mit anderen Drogen wie z.B. Wermutkraut, Schafgarbenkraut oder Tausendgüldenkraut (Magentees). Zur Appetitanregung soll der Tee jeweils eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten, bei Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten getrunken werden. Mittlere Tagesdosis: 2 bis 4 g Droge.
1 bis 2 g fein geschnittene oder grob pulverisierte Enzianwurzel mit siedendem Wasser übergießen und nach 5 Min. abseihen.
Bei bestehenden Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren darf Enzianwurzel nicht eingenommen werden.
Für eine Anwendung von Enzianwurzel während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen bisher noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.
Selten Magen-Darm-Beschwerden, Herzrasen, Juckreiz und Kopfschmerzen
Keine bekannt
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO Vol. 3
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 298
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 87
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 155
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Enzianwurzel, Nr. 392)
Arzneipflanzenlexikon
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Ratgeber