
Gewöhnlicher Beinwell – Symphytum officinale L.
Raublattgewächse (Boraginaceae)
Der Beinwell ist in Eurasien heimisch und reicht ostwärts bis Zentralasien. Er wächst auf feuchten Wiesen, an Wassergräben und Ufern. In Europa fehlt er nur auf der Iberischen Halbinsel, in Süditalien und in Griechenland; die Nordgrenze ist Großbritannien und Südskandinavien.
Der Gattungsname Symphytum leitet sich ab von griech. ‚syn’ (= zusammen) und ‚phyo’ (= wachsen), woraus griech. ‚symphytos’ (= zusammen gewachsen) entsteht. Damit ist das Zusammenwachsen von Wunden oder gar von Knochen gemeint, also ein Wundheilmittel. Diese Heilkraft kommt auch im deutschen Namen zum Ausdruck, denn in der alten Heilkunde bedeutete „die Wunde wallt“ soviel wie „die Wunde wächst zu“ oder „wird heil“. Der Beinwell ist demnach eine sehr alte Heilpflanze, was im Artepitheton officinale verdeutlicht wird, denn officinalis bedeutet „in den Apotheken gebraucht“, abgeleitet von der „Offizin“, dem Verkaufsraum einer Apotheke.
Der Beinwell wird 50 bis 100 m hoch und ist mit einer rübenförmigen dicken Pfahlwurzel bis 30 cm tief in der Erde verankert. Er ist eine Halbrosettenstaude mit einem verzweigtem, stark borstig behaarten Stängel. Die Blätter sind eiförmig-lanzettlich, lang zugespitzt, die oberen Blätter verschmälern sich zu einem weit am Stängel herab laufenden, geflügelten Blattstiel. Die Blattnerven sind ebenfalls rau behaart. In den Achseln der oberen Blätter stehen die purpurroten oder rotvioletten (auch gelbweißlichen), glockigen, nickenden Blüten in dichtblütigen Doppelwickeln. Ihre Kelche sind mit Kelchzähnen versehen, die Kronblätter bilden eine außen stark behaarte Röhre. Blütezeit ist Mai bis Juli.
Verwendet werden die getrockneten Wurzeln. Die Droge des Handels stammt aus Kulturen. Arzneilich verwendet wird auch das getrocknete Kraut von S. x uplandicum Nym., das aus osteuropäischen Ländern importiert wird.
Beinwellwurzel und Beinwellkraut enthalten Gerbstoffe, Schleimstoffe, Kaffeesäurederivate (u.a. Rosmarinsäure) Allantoin und Pyrrolizidinalkaloide. Da letztere lebertoxisch sind, werden zur Herstellung von Fertigarzneimitteln Pyrrolizidinalkaloid-arme Züchtungen verwendet.
In den Arzneibüchern (Ph. Eur., DAB, DAC) ist die Qualität von Beinwellwurzel nicht festgelegt.
Äußerlich bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen (Kommission E, ESCOP). ESCOP listet als weitere Anwendungsgebiete: Gelenkarthrose, Sehnenscheidenentzündung und Epikondylentzündungen. Durch klinische Studien wurden folgende Anwendungsgebiete belegt (Zulassung): Bei schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen (nach Abklingen der akuten Phase) sowie zur lokalen Durchblutungsförderung.
Beinwell hat keine Listung als traditionelles Arzneimittel (§ 109 a).
Symphytum officinale - Wurzel
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Teeaufguss: nur zur äußerlichen Anwendung! Mehrmals täglich als warmen Umschlag mit einer Abkochung von Beinwellwurzel/Beinwellkraut oder die pulverisierte Wurzel als warmen Brei auftragen. Die pro Tag applizierte Dosis darf nicht mehr als 100 µg Pyrrolizidinalkaloide enthalten.
5 bis 10 g grob pulverisierte Droge mit 100 mL Wasser aufkochen und nach 15 Min. abseihen. Ein warmer Brei wird durch Verrühren mit wenig heißem Wasser hergestellt.
Nur auf intakter Haut auftragen!
Während der Schwangerschaft und Stillzeit und bei Kindern unter 2 Jahren dürfen Beinwellzubereitungen nicht angewendet werden (Pyrrolizidinalkaloide).
Da in verschiedenen Testsystemen für die Symphytum-Pyrrolizidine eine mutagene Wirkung festgestellt werden konnte, dürfen Beinwell-Zubereitungen vorsichtshalber nur auf intakte Haut aufgetragen werden.
Obwohl die Pyrrolizidinalkaloide beim Auftragen auf die intakte Haut nicht in den Blutkreislauf gelangen, soll Beinwell nicht länger als 4 bis 6 Wochen pro Jahr angewendet werden. Die in Fertigarzneimittel verarbeiteten Extrakte werden allerdings meist mit Spezialverfahren hergestellt, bei dem der Gehalt an Pyrrolizidinen deutlich verringert ist. Für solche Produkte besteht keine Beschränkung in der Anwendungsdauer.
Keine bekannt.
Keine bekannt.
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 644
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 54
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 314
Arzneipflanzenlexikon
Glossar
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