
(Kleiner) Anis – Pimpinella anisum L.
Doldengewächse (Apiaceae)
Vermutlich stammt diese wegen ihres würzigen Geruchs geschätzte Pflanze aus dem Orient. Sie wird heute in Südeuropa, im Mittelmeergebiet, im Vorderen Orient und Indien kultiviert. Aus weggeworfenen Früchten kommt sie mitunter an Wegrändern und Schuttstellen verwildert vor.
Anis ist eine einjährige Pflanze, wird 30 bis 50 cm hoch und blüht im Juli/August mit zahlreichen kleinen weißen Blüten, die in 7- bis 17-strahligen Doppeldolden angeordnet sind. Die Blätter am Grund des zarten Stängels sind gestielt und rundlich, nach oben hin sind sie zunehmend fiederschnittig und sitzen direkt am Stängel. Die im reifen Zustand graubräunlichen Früchte sind 3 bis 5 mm lang mit helleren, etwas kantig hervortretenden Rippen. Dabei handelt es sich wie bei allen Doldengewächsen um „Doppelachänen“, die jedoch im Falle von Anis nicht in die beiden Teilfrüchte (Achänen) zerfallen, wie es beim Kümmel der Fall ist. Anis ist ein beliebtes Gewürz für Gebäck und zur Herstellung von alkoholischen Getränken (Anisschnaps, Pernod, Pastis, Ouzo).
Verwendet werden die reifen Früchte mit ihrem typischen Anisgeruch, der beim Zerreiben deutlich wahrzunehmen ist und durch das in den Früchten enthaltene ätherische Öl verursacht wird.
Die im Handel befindliche Droge stammt aus Importen aus der Türkei, Ägypten und Spanien.
Anisfrüchte enthalten ätherisches Öl („Anisöl“) mit süß schmeckendem trans-Anethol (Hauptbestandteil), das auch für den typischen Geruch der Droge verantwortlich ist; außerdem fettes Öl und Proteine.
Die Qualität folgender Drogen bzw. Drogenzubereitungen ist im Europäischen Arzneibuch (Ph. Eur.) festgelegt:
Innerlich bei leichten Oberbauchbeschwerden, die mit Krämpfen und Blähungen einhergehen (dyspeptische Beschwerden); innerlich und äußerlich bei Katarrhen der Luftwege (Kommission E, ESCOP). Das HMPC hat Anis und Anisöl als traditionelle pflanzliche Arzneimittel eingestuft (siehe „traditionelle Anwendung“).
Das HMPC hat Anis als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (§ 39a AMG) eingestuft. Basierend auf langer Erfahrung kann Anis bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich (bei Blähungen) und als Schleim lösendes Mittel bei Husten im Zusammenhang mit einer Erkältung eingesetzt werden.
Traditionell angewendet zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege (traditionelle Anwendung nach § 109a).
Fertigarzneimittel: siehe Packungsbeilage;
Anisöl: mehrmals tägl. 3 – 5 Tropfen auf einem Stück Zucker einnehmen;
Teeaufguss: mehrmals täglich 1 Tasse Anistee warm trinken (auch in Mischungen mit anderen Drogen als Magen-Darm-Tee; Husten- und Bronchialtee).
1 bis 3,5 g frisch zerkleinerter Anisfrüchte mit einer Tasse (150 mL) heißem (nicht kochend!) Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen und abseihen. Um die Wirksamkeit zu fördern, sollten Anisfrüchte vor der Teezubereitung zerstoßen oder grob gepulvert werden, damit das ätherische Öl in den Tee gelangen kann.
Bei bestehenden Allergien gegen Doldenblütler (Fenchel, Kümmel, Sellerie, Koriander oder Dill) oder gegen Anethol müssen Aniszubereitungen gemieden werden.
Bei Lagerung von Anis unter Lichteinwirkung kann sich aus trans-Anethol u. U. „Photoanethol“ mit östrogenen Eigenschaften bilden.
Für die Anwendung von Anis während der Schwangerschaft oder Stillzeit liegen noch keine Erfahrungen zur Unbedenklichkeit vor. Kinder unter 12 Jahren sollen das ätherische Öl (Anisöl) und Anisfrüchte wegen fehlender Daten und wegen des Estragol-Gehalts vorsorglich nicht einnehmen.
Gelegentlich Allergien an Haut und Atemwegen
Keine bekannt
HMPC, Kommission E, ESCOP, WHO Vol. 3
Wichtl: Teedrogen und Phytopharmaka, S. 81
Schilcher: Leitfaden Phytotherapie, S. 42
Van Wyk: Handbuch der Arzneipflanzen, S. 240
Kommentar zum Europäischen Arzneibuch (Anis, Nr. 0262; Anisöl, Nr. 0804)